Fachbeitrag

Digitale Geschäftsmodelle im Handel

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Der Anteil von E–Commerce am gesamten Handel in Deutschland wächst und wächst. Inzwischen werden knapp zehn Prozent aller Einzelhandelsumsätze online gemacht. Dies ist die sichtbarste Folge der digitalen Transformation im Handel. Und alle Expert:innen sind sich einig, dass die Entwicklung in den nächsten Jahren weitergehen wird.

 

Viele Handelsunternehmen sind deshalb nervös geworden, vor allem der inhabergeführte, stationäre Einzelhandel fühlt sich sehr stark unter Druck gesetzt. Doch er ist dem Ansturm des E–Commerce nicht ausgeliefert. Es gibt eine ganze Reihe von digitalen Geschäftsmodellen im Handel. Die wichtigsten davon sollen hier in einem kurzen Überblick vorgestellt werden – als Anregung für die ersten Schritte in die Digitalwirtschaft.

E–Commerce ist mehr als ein Webshop


Das klassische digitale Modell ist natürlich ein Webshop, eventuell kombiniert mit einer App, die den Shop sowie weitere Informationen auch auf das Smartphone bringt. Dabei wird das Modell des Ladengeschäfts oder Kaufhauses auf das Internet übertragen. Doch damit sind die Möglichkeiten der Digitalisierung noch lange nicht ausgeschöpft, es gibt viele Alternativen zum reinen E–Commerce.

 

Zum Beispiel der Abo–Commerce, bei dem Verbrauchsprodukte automatisch ins Haus kommen. Einer der Trendsetter hierbei ist der Dollar Shave Club in den USA. Er verschickt kostengünstige Rasierklingen und andere Produkte im Abonnement und macht damit 200 Millionen Dollar Umsatz.

 

Das Prinzip: Die Kund:innen bestellen einmal ihr Lieblingsprodukt, legen Menge und Zeitraum fest und müssen dann nichts mehr tun. Grundsätzlich funktioniert das für viele Verbrauchsprodukte, die auch in sogenannten Abo–Boxen gesammelt geliefert werden können. Ein Beispiel dafür ist Glossybox, die einmal pro Monat ausgewählte Kosmetikprodukte liefern. Andere Anbieter liefern Lebensmittel oder Kinderspielzeug.

 

Ebenfalls an die Bequemlichkeit der Kund:innen appelliert das Curated Shopping, bei dem bestimmte, vom Versender ausgewählte Produkte bestellt werden. Ein Vorreiter in Deutschland ist die Outfittery: Sie verschickt auf Anforderung inspirierende Outfits, die von Stylisten genau zu einem Benutzerprofil passend ausgewählt werden.

Die Plattform–Ökonomie ausnutzen


Diese Geschäftsmodelle haben aber einen kleinen Haken: Das Lagern, Verpacken und Versenden sowie die Abwicklung von Rücksendungen und Reklamationen bedeuten einen erheblichen Aufwand. Vermieden wird das beim Dropshipping. Dabei verzichtet der Händler:innen darauf, eine eigene Lager- und Logistik-Infrastruktur aufzubauen. Er sendet die Bestellungen an einen speziellen Fullfillment–Dienstleister, der den Versand im Namen der Händler:innen ausführt. Das kann ein/e Hersteller:in sein, ein spezieller Großhändler oder Amazon.

 

Der Handelsriese hat das Dropshipping frühzeitig als Bedürfnis seiner Business–Kund:innen erkannt. So gibt es inzwischen sogar Hersteller:innen, die ihre Geschäfte vorwiegend über Amazon abwickeln – zum Beispiel der Handyzubehör–Spezialist The Friendly Swede. Dahinter verbirgt sich ein Kleinunternehmen, das in China produzieren lässt und nur über die Plattform von Amazon gut acht Millionen Euro Jahresumsatz macht.

 

Doch man muss nicht gleich Umsatzmillionär werden, Plattform–Ökonomie geht auch im kleinen Rahmen: Produkte werden mit der Amazon–Software erfasst, gesammelt und in beliebig vielen Paketen an das nächste Versandzentrum geschickt. Die Kund:innen können dann zwar nur bei Amazon bestellen, doch im Gegenzug kümmert sich das Unternehmen um die gesamte Abwicklung inklusive Inkasso und Rücksendung.

Digitalisierung der letzten Meile


Trotzdem hat auch ein eigener Webshop Vorteile, denn Händler:innen bauen eine direkte Beziehung zu Kund:innen auf. Dadurch hat er eine Chance, sie in sein Ladengeschäft zu führen, etwa durch Click & Collect. Dabei wählen die Kund:innen ihre Einkäufe online aus und holen sie dann zu einem frei wählbaren Zeitpunkt ab. Zurzeit wird dieses Konzept von Edeka im Lebensmittelhandel erprobt. Die Handelskette setzt dabei allerdings auf eine automatische, gekühlte Abholstation, entwickelt vom Startup Open Ideas unter dem Namen EmmasBox.

 

Es geht aber noch automatischer, nämlich mit einem Roboter als Lieferanten. Dadurch hoffen große Handelshäuser wie die Metro Group Same Day Delivery etablieren zu können. Der erhebliche logistische und personelle Aufwand soll zumindest in Großstädten durch den Einsatz von teilautonom fahrenden Liefer–Robotern gesenkt werden. Das Gerät des Londoner Startups Starship Technologies wird zurzeit in Düsseldorf und Hamburg getestet.

 

Zu diesen aufwändigen Technologien, mit denen die „letzte Meile“ digitalisiert werden soll, gehören auch Konzepte wie Lieferdrohnen, die Pakete durch die Luft befördern und die Zustellung von Paketen in den Kofferraum eines Autos. Letzteres wird im Moment von DHL erprobt und erfordert allerdings eine technische Umrüstung des Kofferraums.

Erste Schritte in den digitalen Handel


So interessant solche Entwicklungen sind, vor allem für kleinere Ladengeschäfte sind sie überdimensioniert. Doch auch ein inhabergeführtes Fachgeschäft kann mit wenig Aufwand viel erreichen. Voraussetzung ist allerdings immer eine möglichst durchgängige Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Die sollte nicht bei Warenwirtschaft-und Kassensystemen Halt machen, sondern in jedem Fall auch Software für das Kundenmanagement (CRM, Customer Relationship Management) umfassen.

 

Damit ist ein Fachgeschäft gerüstet für die ersten Schritte in die Digitalisierung, etwa durch einen regelmäßig erscheinenden Newsletter, der Stammkunden auf neue Ware oder Rabatte aufmerksam macht. Eine ähnliche Aufgabe erfüllt eine Facebook–Seite oder eine eigene Marketing–App für iOS und Android.

 

So eine mobile Anwendung erfordert nicht unbedingt einen großen Entwicklungsaufwand. Es gibt eine Vielzahl an App–Baukästen, mit denen attraktive Apps für die Kundeninformation aufgebaut werden können. Diese Möglichkeiten sind zwar noch keine digitalen Geschäftsmodelle in Reinform, empfehlen sich aber vor allem für Unternehmen, die ohne große Investitionen in die digitale Zukunft aufbrechen möchten.

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